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Monatsspruch September 2010: Prediger 3,13 Liebe Gemeinde! „Essen und Trinken hält Leib und Seele zusammen“, so heißt eine alte Redensart. Zum Teil werden wir dem sofort zustimmen, denn der Leib, also unser Körper braucht ganz genügend zu Essen und zu Trinken, um leben zu können, um genügend Kräfte zu haben für all das, was so zu tun ist. Aber die Seele? Ja, auch sie kann hungrig sein und durstig. Und Leib und Seele müssen zusammengehalten werden, denn wenn die beiden sich trennen, dann, so eine uralte Vorstellung, ist das Leben beendet. Natürlich kann kein Mensch zufrieden sein, wenn es ihm an den grundlegendsten und lebensnotwendigen Dingen fehlt. Immer mehr Menschen kommen an die Türen unserer Mindener Kirchengemeinden, weil nicht reicht, was sie zum täglichen Leben bekommen. Sicherlich ist mancher dabei, der nicht gut haushalten kann oder der suchtkrank ist oder Geld für unnötige andere Dinge ausgibt, aber das ist nur eine Minderheit. Aber keiner, nicht einer, der anklopft, kommt ohne Not. Die hervorragenden und ehrenamtlich geleisteten Angebote wie die der Mindener Tafel, der Wärmestube oder anderer Einrichtungen helfen viel, aber reichen da oft dennoch nicht. Auch das es in Minden immer weniger „Pfarrhaustüren“ gibt, merken wir sehr. Und so versuchen wir, wenn auch in bescheidenem Rahmen zu helfen, was für unsere kleine Gemeinde durchaus eine große, nicht nur finanzielle Anstrengung ist. Aber die "Kirche ist nur Kirche, wenn sie für andere da ist … sie muss an den weltlichen Aufgaben des menschlichen Gemeinschaftslebens teilnehmen“, so formulierte es Dietrich Bonhoeffer. Der Monatsspruch aus dem Buch des Predigers Salomo ist vielen vielleicht so nicht bekannt, aber die Verse davor, nämlich dass "alles seine Zeit hat", ist einer der bekanntesten Texte des Alten Testaments. Auch in einer Gemeinde hat alles seine Zeit, was auch heißt, alles hat seinen Sinn. Wir gehen davon aus, dass eine Gemeinde nicht nur sichtbares Menschenwerk ist, sondern auch eine Gottesgabe, denn Christus ist der Grund und sollte der Grund jeder Gemeinde sein. Und er hat gezeigt, dass das „In sich Gehen“ und das Feiern und das Hören auf Gottes Wort seine Zeit hat, aber dann auch das Umsetzen und Zugehen auf Menschen, die besonders Hilfe brauchen, auch unbedingt seine Zeit bekommen muss. Oft ist es schwierig, die richtigen Entscheidungen zu treffen, aber Jesus Christus hat gute maßgebliche Wegweisungen dafür gezeigt. Leib und Seele gehören zusammen und Gott hat nicht nur das eine oder das andere im Blick. Jemand, der satt ist, dem fehlt mitunter auch der gute Mut, genau wie solchen Menschen, die sich kaum Gedanken darüber machen können, weil ihnen der Magen knurrt. An Erntedank etwa danken wir für das, was wir haben an täglichem Brot, an sauberem Wasser, aber auch vielleicht, dass wir uns wohl fühlen und dass uns hoffentlich nichts aus der Bahn geworfen hat. Nichts ist da selbstverständlich. Gott hat es auf dieser Erde aber so eingerichtet, dass eigentlich genug da ist für alle. Genug zu Essen, genug zu Trinken, aber eigentlich auch genügend Möglichkeiten zum Verständnis, zu Liebe und zum Frieden und zur Gerechtigkeit. Der Mensch kann ja denken und er weiß durchaus, was richtig und falsch ist. Gott hat uns allerdings die Freiheit gegeben, zwischen Möglichkeiten zu entscheiden und es passiert eben häufig das, was in einer anderen Redensart treffend beschrieben wird: „Der Geist ist willig, aber das Fleisch ist schwach.“ Wichtig ist eben, dass beides ausgewogen zusammen bleibt. Von Herzen Dank sagen zu können und guten Mut zu haben, das wünsche ich jedem von uns. Aber eben auch, dass uns dieser Dank und dieser gute Mut bewegt und Kräfte frei setzt für Menschen, die nicht ohne weiteres danken können und denen der Lebensmut fehlt. Jesus Christus stellt sich selbst als das Brot des Lebens vor. Er meint uns Menschen, die wir alle hungrig sind an Seele und Leib. Er selbst ist größte Gabe Gottes für uns dafür. Ich wünsche Ihnen und Euch allen diesen guten Mut in allem Mühen für eine schöne Herbstzeit Ihr/Euer Bernhard Speller |



